davidak, Ein Internet-Held

Eine nette Geschichte über den Erfolg von provokanten Videos und den negativen Seiten.

Wie ich im Internet bekannt wurde.

Vorgeschichte

Ich hatte leider erst recht spät einen eigenen Internetanschluss. Damals hatten die meisten aus meiner Klasse Internet und das meiner Eltern war durch Modem-geschwindigkeit und zeitliche Begrenzungen unbenutzbar. Als ich dann mit 17 meine eigene Wohnung hatte, wurde natürlich sofort ein Internet-Anschluss bestellt. Bis zu dem Zeitpunkt hatte ich schon viel am Computer gearbeitet und kannte mich gut aus, doch das Internet war wieder etwas völlig anderes. Es ärgerte mich das meine Mitschüler so viel zu wissen schienen und ich garnichts. Daraufhin beschloss ich das ganze zu erforschen.

Schnell begriff ich, dass jeder im Internet ein Medium sein konnte, wie ein Zeitungsverlag oder ein Fernsehsender im richtigen Leben. Ich entdeckte Blogs, die mit der Open Source-Software Wordpress gemacht waren und erstellte mir selbst einen. Ich hab dann nach kurzer Zeit mit fehlerhaften Plugins die Datenbank kaputt gemacht und mangels Backup startete ich im März 2007 von neuem. Im Juni 2007 bin ich dann vom kostenlosem Webspace voller Werbung und Popups zu einem eigenen Hoster mit der Domain davidak.de umgezogen. Erstmal berichtete ich über Dinge, die ich im Internet fand oder schrieb kleine Artikel. Ich fand aber immer mehr Freude daran zu sehen, das das was ich schriebe auch massenhaft gelesen wird. So begann ich zu erkunden was denn nun ankommt und was nicht. Ein Artikel, der mir immernoch täglich dutzende Besucher beschert handelt von Pornoseiten im Internet, genauer gesagt von Videoportalen, wo man kostenlos Pornos ansehen kann. Auch sehr viele Besucher bekam ich durch einen Artikel über die WWDC Keynote von Apple 2008, wo ich zur richtigen Zeit die richtigen Informationen lieferte und daher in Google auf der ersten Seite war. Das ist allerdings auch anstrengend und der Artikel nur für wenige Tage interessant.

Meine Videos

Mittlerweile war ich auch ein grosser Freund von Youtube geworden, da dort viele kreative Menschen ihre Videos hochgeladen haben und es immer etwas neues gab. Das war für mich schon damals interessanter, als das kommerzielle Fernsehen, wo alle paar Minuten wieder Werbung gezeigt wird und alles auf den Normalbürger abgestimmt ist. Heutzutage ist es eine regelrechte Verblödung.

Durch mein Wissen, dass man mit Tabuthemen und Provokation viel Aufmerksamkeit auf sich lenkt, produzierte ich ein Video und lud es hoch. Bis dahin hatte ich nur Videos gedreht, die höchstens meine Freunde und Familie gesehen haben. Dementsprechend hatten sie nicht den Anspruch möglichst vielen Leuten zu gefallen.

dktv1 auf Youtube (2006)

Das erste Video nannte sich "dktv1", der Titel orientierte sich damit am Fernsehen. Wie eine Show, in der es nur um mich geht, dk eben. Ich hatte gerade Bratwurst gebraten und saß mit dieser vorm Rechner, aß und überlegte was ich mal in dem Video machen soll. Aus irgendeinem Grund nahm ich die Wurst in den Mund, wie schwule Männer das wohl mit einem Penis machen würden. Mir war nicht bewusst, das das Thema Homosexualität so provoziert, denn innerhalb einer Woche war ich an meiner gesamten Schule bekannt. Man kam auf mich zu und fragte, warum ich das machen würde und ob ich schwul sei. Dadurch, dass ich schon immer etwas seltsam war und eher still, wussten auch meine Mitschüler nicht soviel von mir, was natürlich viel Raum für Spekulationen lässt. In einem Folgevideo hab ich dann gesagt, dass ich nicht schwul war und das das rein zur Unterhaltung dienen sollte. Ebenfalls kamen Gerüchte auf das ich mich umbringen will oder einen Amoklauf plane. Deswegen hab ich auch noch eine Szene gedreht wie ich mich erhänge, durch super aufwendige Spezial-Effects (Ironie) sah es sehr echt aus. (Ich lebe immernoch.) Aus irgend einem Grund störte sich eine Mitschülerin an diesem Video, sprach mit meiner Klassenlehrerin und diese dann mit mir und meinen Eltern.

Danach hatte man erstmal Ruhe von mir, aber mit der Zeit kamen dann wieder neue Videos. Erst ganz normale, aber dann kam in den Kommentaren wieder, das ich schwul wäre. Heute weiss ich, dass dumme Kommentare ganz normal auf Youtube sind. Allerdings wurden dann meine Videos auch wieder recht bekannt, als ich dann wieder recht schwuchtelige Dinge tat, eben um diese Menschen zu provozieren.

Youtube Chanel von davidak anfang 2010

(Klicken für komplettes Bild in Groß)

Das klappte fast besser als erwartet, denn meine Videos haben insgesamt fast 100.000 Aufrufe. Das die meisten Zuschauer es nur sehen, weil sie sich über mich lustig machen und denken "Was für ein Idiot", ist mir natürlich klar. Ebenfalls gab es in bekannten Foren wie RR, Gulli und anderen zahlreiche Threads wo diskutiert wurde wie dumm ich doch bin. Dadurch wurden neue Videos immer schnell verbreitet und bekamen entsprechend nette Kommentare. Selbst im richtigen Leben wurde ich einige male erkannt. "Du bist doch der von Youtube, der so seltsame Videos macht!" Es war sehr interessant für mich, die Reaktionen zu studieren.

Meine letzten Videos waren sehr provokant und eigentlich nur noch für die Leute, die mich hassen. Jetzt wollte ich nochmal an die Grenze gehen, mit einem Video das sich da nannte "davidak in der dusche" wo man mich komplett nackt sah (allerdings nur den Oberkörper) und ich wieder eine Wurst in den Mund nahm (und ein Bier trank). Und da seh ich ein ganz grosses Problem meiner Videos. Ich hab sehr viele Insiderwitze. Allerdings sehen das viele nicht so aufmerksam, als das sie es erkennen bzw garnicht erkennen können, da sie meine ersten Videos nie gesehen haben. Und wenn ein Video grossteilig nur aus Insidern besteht wirkt das für jemanden, der nur dieses eine Video kennt, sehr seltsam. Die Frage nach dem warum darf man garnicht erst stellen.

Inzwischen weiss ich, wie es funktioniert. Ich könnte jetzt den Weg weitergehen, daraus Profit schlagen und mich an die Medien verkaufen. Ein Beispiel für eine Person, die diesen Weg geht, ist Küma, der schon in Fernsehsendungen wie Frauentausch oder Reportagen über das WGT zu sehen war.

Darauf hab ich allerdings keine Lust.

Ich sah mich immer als Medienmacher, als Künstler und weniger als Objekt des Interesses, also die Person vor der Kamera. Daher beende ich dieses 4 jährige Experiment mit vielen Erfahrungen für neue Projekte. Und nebenbei beherrsche ich nun die Produktion von Videos, einige Schnittprogramme, habe eine solide Ausrüstung und weiss, wie Marketing im Internet funktioniert.

Es ist besser, wenn ich Videos mache, die Leute gut finden, auch wenn es weniger Leute sehen. Ich hab dann doch lieber Zuschauer, die mich als Person auch mögen, denn in meinem bisherigen Videos kam ich sehr komisch rüber.

Ich bin garnicht so ;-)